Otto Rudolf Salvisberg wurde am 19. Oktober 1882 in Köniz bei Bern als jüngstes von acht Kindern (sechs Knaben und zwei Mädchen) geboren. Er ist der Neffe des Architekten Friedrich Salvisberg. Seine Eltern bewirtschafteten ein Bauerngut und eine Mühle. Die Familie lebte zwar in einfachen, keinesfalls jedoch in armen Verhältnissen. Die Schule sei ein »nimmer endenwollendes Missverständnis« gewesen. Er brachte die Schulzeit schlecht und recht hinter sich. Die feinsinnige Mutter, an der er sehr gehangen hatte, starb, als Salvisberg sechzehn war. »Von da ab habe er sich bemüht, etwas Rechtes zu werden« schilderte er einst. Obwohl er sich zum Zeichnen und Malen hingezogen fühlte, absolvierte er eine Berufslehre in einem Architekturbüro. 1901 trat er in die Bauschule des Technikums in Biel ein. Er bestand 1904 das Diplom mit Auszeichnung und begab sich zu Fuss nach Deutschland. Salvisberg lebte vom Verkauf von Zeichnungen und Aquarellen, in denen er seine Eindrücke von der Landschaft festhielt. Schliesslich kam er nach München und besuchte dort an der technischen Hochschule Kurse. Um 1905 reiste er nach Karlsruhe weiter. Hier fand er im Büro Curjel und Moser Anstellung. Im Jahre 1908 ging er nach Berlin, das damals ein Brennpunkt kulturellen Lebens war. So arbeiteten um 1910 im Atelier von Peter Behrens Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe und Charles-Edouard Jeanneret (Le Corbusier). Im selben Jahr hielt sich dort zudem Frank Lloyd Wright auf, und auch Bruno Taut und Franz Hoffmann begannen damals ihre Arbeit in Berlin. Salvisberg baute zu Beginn für ein Architekturbüro in rascher Folge Wohn- und Geschäftshäuser, die ausserordentlich fortschrittlich waren. Im August 1912 heiratete er Emmy Roloff, eine gebürtige Berlinerin. Anfang 1914 machte sich Salvisberg selbständig. Seine Beliebtheit als Architekt zeigte sich in der grossen Depression: Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen hatte er stets volle Auftragsbücher. Noch vor der Währungsreform 1923, die der galoppierenden Inflation ein vorläufiges Ende setzen sollte, baute er verschiedene Siedlungen mit total über 2800 Häusern! Im Verlaufe des Jahres 1927 wurde Salvisberg in den berühmten Berliner Dreierrat berufen, dem die abschliessende Begutachtung und Entscheidung über grosse Bauvorhaben unterstand - ein enormes Zeichen für die Achtung, die man in Berlin Salvisberg entgegenbrachte. 1928 schliesslich kehrte er zurück in die Schweiz um an der ETH Zürich den Lehrstuhl für Architektur von Karl Moser zu übernehmen. Seine Studentinnen und Studenten sprechen immer wieder von seiner fast unheimlichen Auffassungsgabe für die Probleme der grundrisslichen Organisation. Sie berichten, noch im Sich-Setzen sei »Salv« (wie er von den Studenten genannt wurde) geradezu vom Plan aufgeschluckt worden und habe nach der Skizzenrolle getastet, die er vom Studenten verlangt hatte. Die Pausenglocke überhörte er. Wenn er endlich aufstand und das Papier schwarz von Strichen war, sagte er: »So etwa könnte es gehen.« Ab 1934 wurde er neben seiner Lehrtätigkeit an der ETH zum eigentlichen Hausarchitekten der F. Hoffmann-La Roche AG. Am 23 Dezember 1940 starb Salvisberg während einer Skiabfahrt oberhalb von Arosa an einem Herzschlag. Er habe den Eindruck eines mit sich zufriedenen Menschen gemacht und ihm war es vergönnt, so zu sterben, wie er es einmal seinen Nächsten als geheimen Wunsch anvertraut haben soll.











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