Nach einer in Bologna empfangenen Ausbildung zum Maler wendet sich Giacomo Vignola unter dem Einfluß Sebastiano Serlios schon früh der Architektur zu, deren Kenntnis er durch das Studium der Baukunst der römischen Antike vertieft. Seine architektonische Ausbildung rundet er 1534-1536 ab, wo er unter Baldassare Peruzzi und Antonio da Sangallo d. J. am Neubau der Peterskirche und der Ausgestaltung der Vatikanischen Paläste beteiligt ist.
Zwischenzeitlich in Frankreich und Bologna tätig, lässt er sich 1546 im Dienst der Farnese endgültig in Rom nieder. Hier leistet er vor allem mit dem Casino der 1551 begonnenen Villa Giulia einen wichtigen Beitrag zur römischen Architektur des Manierismus. Der Portalbau mit der zum Hof geöffneten halbkreisförmigen Loggia dokumentiert eindrucksvoll die klassizistische Strenge der Formensprache Vignolas. Von ähnlicher entwicklungshistorischer Bedeutung sind auch die römischen Sakralbauten Vignolas wie etwa die 1550-1553 erbaute, von einer ovalen Kuppel bekrönte Kirche Sant' Andrea in Via Flaminia oder der erst 1572 begonnene Ovalbau von Sant' Anna dei Palafrenieri.
Überragt wird deren architekturhistorische Stellung jedoch durch den 1568 begonnenen Bau von Il Gesù. Bei der Mutterkirche des Jesuitenordens verschmilzt Vignola Longitudinal- und Zentralbau zu einem Bautypus, der für die Baukunst des römischen Frühbarock nahezu verbindlich werden wird und bis tief in das 17. Jahrhundert hinein in ganz Europa auf den Kirchenbau der Gegenreformation ausstrahlt.
Nach dem Tod Michelangelos im Jahre 1564 übernimmt Vignola das Amt des leitenden Baumeisters der Peterskirche, ohne jedoch nachhaltigen Einfluß auf die Planungen nehmen zu können.
Unter den außerhalb Roms entstehenden Bauten ragt vor allem der ab 1559 errichtete Palazzo Farnese in Caprarola hervor, der in seiner an zeitgenössischen französischen Schlössern orientierten Verbindung von Wehr- und Repräsentationsbau zu den grandiosesten schöpferische Leistung Vignolas gehört.
Neben seiner baukünstlerischen Tätigkeit, die ihn wohl als den bedeutendsten Architekten der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ausweist, tritt Vignola auch als einflussreicher Architekturtheoretiker in Erscheinung. So gehören seine 1562 erscheinenden und in zahlreiche Sprachen übersetzten »Regola delli cinque ordini dell' architettura« zu den einflussreichsten Architekturtraktaten der Renaissance.










1562
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