| Zeitraum | Beschreibung |
|---|---|
| nach 19 v. Chr. | Gesamtplanungs- und Bauzeit |
Das eindrucksvollste Monument römischer Ingenieurbaukunst in Frankreich war entgegen seiner späteren Benennung nicht als Brücke errichtet worden. Vielmehr war es als reines Aquädukt Teil einer Wasserleitung, die unter Agrippa nach 19 v. Chr. errichtet worden war. Der Schwigersohn des Augustus und Statthalter in Gallien sicherte damit die Wasserversorgung der »Colonia Augusta Nemausus« (Nîmes), indem er Wasser von der Quelle der Eure heranführte. Obgleich die Luftlinie nur etwa 25 km beträgt, machten die zu umlaufenden Berge eine rund 50 km lange Leitung erforderlich. Bei einem Gesamthöhenunterschied von nur 17 m beträgt das durchschnittliche Gefälle gerade einmal 34 cm pro Kilometer (!). Die sieben zu überquerenden Täler wurden ausschließlich durch Brücken überspannt. Dass hierfür nicht die bisweilen verwendeten Siphons und Rohre verwendet wurden, legt den Schluss nahe, dass die imposanten Bauten auch die Macht des Imperiums demonstrieren sollten. So kann es kaum verwundern, dass der 275 m lange Pont du Gard nicht nur eine technische, sondern auch eine ästhetische Meisterleistung darstellt.
In drei unterschiedlich hohen Bogenreihen verbindet der knapp 49 m hohe Bau die Uferböschungen des Gard. Die Eleganz des Bauwerks resultiert unter anderem aus der unterschiedlichen Anzahl und Breite der Bögen. Der in den beiden unteren Arkadenreihen nach außen kontinuierlich abnehmende Pfeilerabstand erzeugt einen ruhigen Bewegungsrhythmus. Von den 35 kleinen Bögen der oberen Reihe entsprechen in der Mitte vier, ansonsten jeweils drei den Arkaden der unteren Reihen. Auch die Mauertiefe vermindert sich nach oben hin. Durch beidseitige Rücksprünge wird die Pfeilertiefe von 6,36 m unten bis zu den 3,06 m der oberen reihe mehr als halbiert. Unterschiede zeigen sich auch in der Mauertechnik. Die drei Bogenreihen wurden ohne Mörtel aus riesigen Quadern aufgemauert. Die an den Pfeilern und Bögen hervorstehenden Steine dienten der Befestigung des Gerüstes und wurden für spätere Reparaturen belassen. Über den Keilsteinen der oberen Bogenreihe ging man zu kleinteiligerem Mauerwerk und der Verwendung von Zementputz über, da im Bereich der eigentlichen Wasserleitung ein besonders geschlossenes Mauerwerk erforderlich war. Die 1,2 m breite und 1,85 m hohe Wasserrinne wird oben durch Steinplatten verschlossen. Bis zu 40 cm breite Kalkablagerungen verengten den Durchfluss im Lauf der Jahrhunderte erheblich. Die errechnete Menge des täglich durchfließenden Wassers wurde auf rund 20.000 m³ berechnet, was einem Prokopfanteil von 400 Liter pro Tag (!) entsprach.
Quellen über ein bereits im Mittelalter erhobenes Brückengeld belegen die frühe Nutzung als Übergang des Gard. Zur Verbreiterung der begehbaren seitlichen Rücksprünge wurden die Pfeiler der mittelern Arkadenreihe halbkreisförmig ausgebrochen. 1743 wurde die untere Bogenreihe in ihrer Breite verdoppelt, um darüber eine Straße anzulegen.
| Beschreibung | Menge/Größe |
|---|---|
| Länge Wasserleitung |
275 m |
| Länge untere Bogenreihe |
142,4 m |
| Länge mittlere Bogenreihe |
242,6 m |
| Höhe untere Bogenreihe |
21,9 m |
| Höhe mittlere Bogenreihe |
19,5 m |
| Höhe obere Bogenreihe |
7,4 m |
| Wandstärke untere Bogenreihe |
6,4 m |
| Wandstärke mittlere Bogenreihe |
4,6 m |
| Wandstärke obere Bogenreihe |
3,1 m |
| Breite Wasserrinne |
1,2 m |
| Höhe Wasserrinne |
1,9 m |
