| Zeitraum | Beschreibung |
|---|---|
| 1965–1968 | Gesamtplanungs- und Bauzeit |
Mit der neuen Nationalgalerie realisiert Mies van der Rohe 1967, am Rande des Berliner Tiergartens, einen »griechischen Tempel« modernen Bauens. 1200 Tonnen Stahl werden innerhalb eines Tages angehoben und zum Tragwerk der riesigen Halle zusammengesetzt. In Analogie zum flexiblen Formenkanon klassischer Tempel erschöpft sich die Gestaltungsfreiheit des »Künstler-Ingenieurs« im 20. Jahrhundert für Mies van der Rohe in den konstruktiven, industriellen Möglichkeiten. In unmittelbarer Nähe zu Hans Scharouns Philharmonie, die er für den Ausdruck individuellen Geschmacks durch »Formerfindung« hält, erbaut Mies van der Rohe die Nationalgalerie »retour à l ordre«. Er will die Baukunst als Mittel einsetzen, um mit seinen Worten »Ordnung zu schaffen in dem verzweifelten Durcheinander unserer Zeit«. Unordnung und städtebauliches Chaos halten sich aber gerade in der Umgebung der Neuen Nationalgalerie unter der Bezeichnung Kulturforum am längsten.

Deutsche Briefmarke 1997 – Architektur nach 1945