| Zeitraum | Beschreibung |
|---|---|
| ab 1623 | Gesamtplanungs- und Bauzeit |
| ab 1668 | umfassende Erweiterung („grande enveloppe“) durch Louis Le Vau. |
| ab 1678 | Übernahme der Bauleitung durch Jules Hardouin-Mansart und Beginn des Ausbaus zur Residenz Ludwigs XIV. |
| 1762–1766 | Petit Trianon |
Die bei weitem größte und architekturhistorisch bedeutendste Residenz des europäischen Barock ist in ihrer heutigen Gestalt das Ergebnis einer langen und komplexen Baugeschichte, die vor allem durch die Architekten Louis Le Vau, Jules Hardouin-Mansart und Jacques-Ange Gabriel geprägt ist. Diese schufen eine Anlage, die zum alles überragenden Hauptwerk des Classicisme werden und zum Vorbild zahlreicher französischer, deutscher und österreichischer Schlösser werden sollte.
Die Entstehungsgeschichte des Schlosses Versailles reicht bis in die Regierungszeit Ludwigs XIII., (1610-43) zurück. Das für diesen bereits 1623 errichtete Jagdschloss wurde 1631 durch Philibert Le Roy zu einer dreiflügeligen Anlage erweitert, die sich bis heute in den drei um den Marmorhof gruppierten Flügeln erhalten hat. Dieser noch vergleichsweise bescheidene Bau wurde ab 1661 zum bevorzugten Aufenthaltsort Ludwigs XIV., der 1668 bei Louis Le Vau ein als »grande enveloppe« bezeichnetes Projekt in Auftrag gab. Dieses sah eine Ummantelung des alten Schlosses durch eine zwei seitliche Flügel bildende größere Dreiflügelanlage vor, die an der Nordseite das Appartement des Königs, an der Südseite das der Königin aufnehmen sollte. An der westlichen, dem Park zugewandten Seite ließ der zurückgesetzte mittlere Teil über dem Gartensaal eine große Terrasse frei. 1677 entschloss sich der Sonnenkönig, seine Residenz endgültig nach Versailles zu verlegen. Er übertrug im folgenden Jahr Jules Hardouin-Mansart die Bauleitung, der nun vor der Aufgabe stand, ausreichende Räumlichkeiten für den riesigen Hofstaat zu schaffen. So schloss dieser noch 1678 durch die anstelle der Terrasse errichtete Spiegelgalerie die Gartenfront, die dann durch den Südflügel (1678-81) und den Nordflügel (1685-89) in ihrer Ausdehnung mehr als verdreifacht wurde. Letzterem wurde dann ab 1689 an der Westseite die Schlosskapelle angefügt. Bereits seit 1680 waren die beiden den Ministerhof flankierenden Flügel durch eine Verbindung der vier noch durch Le Vau errichteten Ministerpavillons entstanden. Innerhalb des seit 1661 durch André Le Nôtre angelegten Schlossparks errichtete Hardouin-Mansart für die Marquise de Maintenon das Grand Trianon. Zu den weiteren nach Entwürfen des Hofarchitekten Ludwigs XIV. entstandenen Gebäuden gehören neben der Orangerie (1681-86) noch verschiedene Wirtschaftsgebäude, von denen insbesondere die beiden Marställe (1679-82) erwähnt seien.
Unausgeführt blieb hingegen zunächst das Projekt, die hofseitigen Ziegelfassaden in Stein ausführen zu lassen. Erst unter Ludwig XV. begann Jacques Ange-Gabriel mit der Errichtung eines den Königshof nördlich begrenzenden Flügels (1771 begonnen), dessen erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Angriff genommenes südliches Pendant unvollendet blieb. Bereits 1762-66 hatte der »Premier architecte du Roi« mit dem Petit Trianon einen Initialbau des französischen Klassizismus geschaffen. Sein gleichzeitig im Nordflügel eingerichtetes Opernhaus folgt hingegen italienischen Vorbildern. Mit dem Tod Ludwigs XV. im Jahre 1774 kommt die Bautätigkeit weitgehend zum Erliegen. Ein von Mique vorgelegter Vollendungsplan gelangte nicht mehr zur Ausführung. Nach einer Zeit des Verfalls ließ König Louis Philippe das Schloss als Nationalmuseum wiederherstelen. Von den Baumaßnahmen des 19. und 20. Jahrhunderts seien vor allem die Erweiterungen des Nord- und Südflügels erwähnt.
Trotz seiner auf den ersten Blick einheitlichen Wirkung ist der riesige Gebäudekomplex durch seinen langen Entstehungszeitraum und die große Zahl unterschiedlicher Baumeister und -phasen gekennzeichnet, so daß die folgende summarische Beschreibung vor allem die Grundcharakteristika der einzelnen Bauabschnitte herauszuarbeiten versucht:
Das 1623 für Ludwig XIII. errichtete und bereits acht Jahre später durch Le Roy zu einer Dreiflügelanlage erweierte Jagdschloss hat sich in seiner Substanz innerhalb der Umbauung des Marmorhofs erhalten. Die Fassaden gehen jedoch in ihrer heutigen Gliederung auf eine Umgestaltung zurück, die von Le Vau im Zuge der »grande enveloppe« vornehmen ließ. So wurde dem Mittelrisalit des einstigen Corps de logis ein von vier Säulenpaaren getragener Balkon vorgelegt. Die zwischen den hochrechteckigen Fenstern verbleibenden Mauerstreifen wurden mit Büsten besetzt. Die nach 1678 erfolgten Eingriffe Hardouin-Mansarts betreffen vor allem die Attika und die Dachzone, deren Balustrade nun von Vasen und figürlichem Schmuck bekrönt wurden. Trotz dieser weitgehend auf das Baudekor beschränkten Veränderungen bleibt die architektonische Grundstruktur des Ursprungsbaus erkennbar, der vor allem durch den Kontrast der in gelbem Sandstein ausgeführten Gliederungselemente und den geziegelten Mauerfeldern zwischen diesen charakterisiert ist. Im dynamischen, vor allem in der Zone des Kranzgesimses erkennbaren Aufbau der Wand und dem freien Umgang mit einem antikischen Formenrepertoire klingen noch die Gestaltungsprinzipien des Manierismus nach.
Die nach dem Aachener Frieden begonnene zweite große Bauphase sah eine Ummantelung des Jagdschlosses Ludwigs XIII. durch eine ihrerseits dreiflügelige Anlage vor, die zwischen den bereits bestehenden Bauten und den neu errichteten Flügeln zwei weitere Höfe freiließ. Außerdem wurden die bereits zuvor errichteten Seitenflügel zu Wohnbauten umgestaltet und durch kurze Trakte mit dem Hauptgebäude verbunden. So entstand eine hufeisenförmige Anlage mit zwei östlichen Vorsprüngen, zwischen denen sich der Königshof erstreckte.
Le Vau orientierte sich bei der Gestaltung der hofseitigen Fassaden eng an der Gliederung des Jagdschlosses Ludwigs XIII. Wie dort findet sich der Wechsel in Sandstein ausgeführter Gliederungselemente und geziegelter Flächen. Auch in den baukünstlerischen Details lassen sich kaum Unterschiede zu dem älteren Bau erkennen. Eine völlig andere Formensprache zeigt sich hingegen an der gartenseitigen Westfront. Deren dreiteiliger Aufriß zeigt mit seinem rustizierten Sockelgeschoß und dem durch eine gleichmäßige Reihung ionischer Pilaster gegliederten Hauptgeschoß bereits die strenge und monumentale Formensprache des entwickelten Classicisme. Die fast monotone Abfolge sich wiederholender Gliederungselemente wird durch zwei Risalite belebt, die durch Doppelsäulen plastisch akzentuiert werden. In der Mitte tritt die Fassade zurück, um so über dem Sockelgeschoß eine Terrase entstehen zu lassen.
Nachdem der Sonnenkönig die endgültige Verlegung seiner Residenz vom Pariser Louvre nach Versailles beschlossen hatte, begann Hardouin-Mansart mit deren Ausbau zu der heute riesigen Anlage. Hierbei schloss er zunächst die in der Mitte des Gartenflügels verbliebene Terrase durch die 73 m lange Spiegelgalerie, bei deren Umfassungsmauern er die Fassadengliederung Le Vaus unter vergrößerter Wiederholung des Risalitmotivs übernahm. Diesen Wandaufbau übernahm er auch bei der Gestaltung der gartenseitigen Fassaden des Südflügels (1678-81) und des Nordflügels (1684-89), so daß nun eine gigantische Front entstand, die neben der wenige Jahre zuvor nach Entwürfen Claude Perraults errichteten Ostfassade des Louvre zum Inbegriff der Profanarchitektur des Classicisme werden sollte.
Dem Nordflügel wurde ab 1689 die Schlosskapelle angefügt, die den Auftakt zu einem Projekt darstellen sollte, das eine Errichtung aller Gebäudeteile in Stein vorsah.
Der basilikal gestufte Außenbau ist vor allem durch die korinthischen Pilaster gekennzeichnet, die oberhalb des von einer figurenbekrönten Balustrade abgeschlossenen Kranzgesimses als volutenartige Strebemauern fortgeführt werden. Mit dem zweizonigen Wandaufbau ihres als Emporenbasilika gestalteten Innenraums ziteiert die Schlosskapelle die hochgotische Sainte-Chapelle. Diese Bezugnahme erklärt sich aus der Tatsache, daß der Patron der Versailler Kirche, Ludwig der Heilige, auch der Stifter der im 13. Jahrhundert errichteten Palastkapelle gewesen war. Der Aufriss zeigt über einer Pfeilerarkatur eine Kolonnade aus korinthischen Säulen, die den klassizistischen Charakter der Architektur betont.
Von den außerhalb des Kernbaus entstandenen Projekten Hardouin-Mansarts verdient vor allem das Grand Trianon besondere Beachtung, das 1687-88 für die Marquise de Maintenon erichtet wurde. Der eingeschossige, durch eine die gesamte Hofbreite mit dem Garten verbundene Gebäudekomplex stellte zugleich eine elegante Kulisse für die Feste des Königs dar.
Bereits ab 1679 wurden die Wirtschaftsgebäude aufgrund der immer zahlreicher werdenden Bediensteten und einer Erweiterung der Wohngebäude in die östlich des Schlosses gelegene Stadt verlegt. In diesem Zusammenhang entstanden auch die beiden Marställe, deren trapezförmige Grundrißgestaltung durch die vom Ministerhof fächerförmig ausgehenden Straßen vorgegeben wird.
Nach dem Tod Ludwigs XIV. im Jahre 1715 gelangte dessen erst fünfjähriger Urenkel Ludwig XV. auf den französischen Königsthron. Die Regierungsgeschäfte übte daher zunächst dessen Großonkel Philippe von Orléans aus, der jedoch Paris zu seiner Residenz wählte. Erst nach dessen Tod begann Ludwig sich in Versailles einzurichten. Nach einer langen auf den Ausbau und die Erneuerung der Innengestaltung beschränkten Phase ließ er 1763-70 durch Jacques-Ange Gabriel dem nördlichen Flügel ein Opernhaus anbauen, das sich mit seinem ovalen Grundriß an zeitgenössischen italienischen Vorbildern orientiert.
Zugleich entstand mit dem innerhalb der Parkanlagen als kleines Lustschloss errichteten Petit Trianon ein Initialbau des Klassizismus. Der harmonisch gegliederte Außenbau markiert in seinem an Andrea Palladio geschulten Formenrepertoire den endgültigen Bruch mit dem Formenrepertoire des Barock.
Erst nach der Hochzeit des Thronfolgers Ludwig mit Marie-Antoinette faßte Ludwig XV. den Entschluß, die unter seinem Vorgänger weitgehend vollendete Ummantelung zu vollenden. Die vor allem auf Entwürfe Jules Hardouin-Mansarts zurückgehende Konzeption sollte jedoch eine Erweiterung erfahren. So sah der nun angestrebte »Große Plan« eine Umkleidung der teilweise in Ziegelmauerwerk ausgeführten Fassaden der Hofseite durch auschließlich in Stein errichtete Fronten vor.
Von den Entwürfen Gabriels gelangte jedoch nur der nach diesem benannte Flügel zur Ausführung, der an der Stelle eines von Louis Le Vau umgestalteten Nebengebäudes errichtet wurde. Der »Premier architecte du Roi« gestaltete den die Nordseite des Königshofes abschließenden Trakt als einen dreigeschossigen Baukörper über rechteckigem Grundriß, dessen Fassadengestaltung bereits die Formensprache des von Gabriel entscheidend mitgeprägten Frühklassizismus zeigt. So werden dem westlichen Abschnitt und dem östlichen Pavillon monumentale Portiken vorgelegt, deren über einem rustizierten Sockel beginnender Aufbau die Fronten antiker Tempel nachahmt. Das Motiv der vier korinthischen Säulen wird auch an den Schmalseiten des Pavillons übernommen, doch wird dort auf den abschließenden Dreicksgiebel verzichtet. Das flach geführte Dach wird von einem breiten Kranzgesims verdeckt. Der monumentale Gesamteindruck sollte auch die geplanten Neubauten bestimmen, die jedoch nicht mehr zur Ausführung gelangten. Vom erst 1814 begonnenen südlichen Pendant des Gabriel-Flügels wurde nur der abschließende Pavillon als getreue Kopie errichtet.
Die unter dem letzten französischen König durchgeführten Baumaßnahmen betrafen weniger die eigentliche Schlossanlage als vielmehr die architektonische Gestaltung des Schlossparks. In diesem führt der 1775 zum »Premier architecte du Roi« berufenen Richard Mique zahlreiche kleinere Projekte aus, von denen etwa das Theater beim Petit Trianon, der Temple de l'Amour und das Belvedere erwähnt seien. Besondere Beachtung verdient das »Hameau«, das als pseudoländliches Anwesen der Königin Marie-Antoinette zu einem Musterbeispiel des sentimentalen späten Rokoko ausgestaltet wurde.
Die prächtige Innenausstattung des Schlosses Versailles spiegelt wie die einzelnen Gebäude selbst alle Strilphasen des Barock und Klassizismus wieder. Besondere Beachtung verdienen jedoch vor allem jene Räume, deren Dekoration der kongenialen Zusammenarbeit des Architekten Hardouin-Mansart und des Malers Charles Lebrun entsprang. In den von diesen ab 1678 gestalteten Innenräumen verschmelzen die einzelnen Gattungen im Sinne des Barock zu einem eindrucksvollen Gesamtkunstwerk.
Von den zahlreichen unter Ludwig XIV. ausgestatteten Räumen verdient vor allem die Spiegelgalerie (1678-86) besondere Beachtung, die ihren Namen den 17 mit den Fenstern korrespondierenden Spiegeln verdankt. Der 73 m lange Saal wird von flachen Marmorpilastern mit korinthisierenden Kapitellen gegliedert. Über dem von diesen getargenen Konsolgesims erhebt sich das von Lebrun ausgemalte Tonnengewölbe. Von den weiteren Räumen des späten 17. Jahrhunderts seien exemplarisch der Gardesaal der Königin (1676-81), der Kriegssalon (1678), der Friedenssalon (1678), der salon des Überflusses (1683) und der Salon der Venus (1683-84) erwähnt.
Von den gegen Ende des Louis-quatorze unter der Leitung Robert de Cottes ausgestatteten Räumen ist vor allem der Herkules-Salon (1710-36) hervorzuheben. Als Beispiele für die Ausstattungskunst des Louis-quinze seien das Goldene Kabinett (1737-69) oder das »Cabinet du Conseil« (1755) erwähnt. Bereits die Formensprache des entwickelten Klassizismus zeigen bereits die Bibliothek Ludwigs XVI. (1774) oder dessen Ankleidezimmer (1788).
In dem 1661-90 angelegten Schlosspark schuf Andre Le Nôtre sein landschaftsarchitektonisches Meisterwerk. Der bedeutendste Gartenbaumeister des Barock übertrug die Symmetrie der Fassaden Le Vaus auf die sich in deren Westen erstreckenden Parkanlagen.
Diese zeigen die für französische Gärten des Barock charakteristische Dreiteilung in Broderieparterres, Bosketts und Bereiche natürlich belassenen Waldes. Innerhalb des ausgedehnten Geländes befinden sich zahlreiche Bauten, von denen vor allem die bereits oben erörterten Trianons besonderes Augenmerk verdienen.