| Zeitraum | Beschreibung |
|---|---|
| ab 1088 | Gesamtplanungs- und Bauzeit |
Auf Veranlassung Abt Hugos (1049-1109) erfolgte ab 1088 ein umfassender Neubau der Kirche des bereits 910 gegründeten Klosters Cluny. Die entscheidende Anregung mag der Bauherr bei einem Besuch in der kurz zuvor neu errichteten Kirche des benediktinischen Mutterklosters Montecassino empfangen haben.
Hugo gab ein Projekt in Auftrag, dass in seiner Größe und Pracht alle monastischen Bauten des Mittelalters in den Schatten stellen sollte. So löste die neu entstehende Abteikirche die konstantinische Basilika von Alt St. Peter in Rom als größten Sakralbau der Christenheit ab. Diesen Rang sollte der Bau Hugos erst wieder mit dem 1506 begonnenen Neubau der Peterskirche einbüßen.
Die Gründe für ein so gewaltiges Neubauprojekt mag man vor allem in der Notwendigkeit zahlreicher Altarstellen suchen, die sich aus der cluniazensischen Ausweitung der Liturgie ergaben.
Bereits 1095 konnte der Hauptaltar durch Papst Urban II. geweiht werden. Ein Einsturz der Mittelschiffgewölbe verzögerte jedoch die weiteren Arbeiten, sodass diese wohl erst mit der durch Papst Innozenz II. 1130 vorgenommenen Weihe abgeschlossen werden konnten. Die 1122 begonnene Vorkirche wurde erst im 13. Jahrhundert vollendet.
1790 fiel die Kirche den Zerstörungen im Gefolge der Französischen Revolution zum Opfer. Die seit 1806 erfolgte Nutzung als Steinbruch wurde erst 1823 unterbunden. Bis dahin war die Kirche bereits fast vollständig abgetragen worden. Neben Teilen der Vorkirche und des Langhauses blieben nur die Südarme der beiden Querhäuser erhalten.
Eine systematische Erforschung der Klosteranlage von Cluny erfolgte durch den amerikanischen Architekten Kenneth John Conant. Auf diesen geht auch die nicht unumstrittene Scheidung dreier Hauptbauphasen und die damit verbundene Benennung der jeweiligen Kirchenbauten als Cluny I (915 geweiht), Cluny II (948-981) und Cluny III zurück.
An fünfschiffiges Langhaus von elf Jochen schließt sich östlich ein weit ausladendes Querhaus an. Nach zwei Zwischenjochen folgt ein weiteres, etwas kleineres Querschiff, das ebenfalls durch östliche Apsiden dem Chorbereich zugeordnet ist. Dieser wird als Umgangschor mit einem Kranz radialer Kapellen gestaltet.
Im dreizonigen Aufriss der Hochschiffwände klingen mit der spitzbogigen Arkadenzone, dem dreiteiligen Triforium und dem von drei Fenstern durchlichteten Obergaden bereits wichtige Gestaltungsmerkmale der Gotik an. Auch die Vertikalisierung des durch eine Spitztonne mit untergezogenen Gurtbögen gewölbten Raums weist bereits über die Romanik hinaus.
Von der bauplastischen Ausstattung haben sich neben Fragmenten des Westportals die überaus qualitätsvollen korinthisierenden Kapitelle des Chorumgangs erhalten, die eine wichtige Entwicklungsstufe innerhalb der figürlichen Kapitellplastik Burgunds darstellen. Ihre mandorlenförmigen Bildfelder zeigen neben Darstellungen der Tugenden, der Elemente, der Jahreszeiten, des Paradieses und des Sündenfalls auch die Personifikationen musikalischer Töne.
Cluny III sollte eine außerordentliche Wirkung auf die Architektur Burgunds ausüben. So reicht die vom Neubau Hugos ausgehende Entwicklungskette von der getreuen Übernahme in einen erheblich verkleinerten Maßstab in Paray-le-Monial bis hin zur bereits frühgotischen Überformung des Systems in Langres:
Trotz eines erkennbaren Variierens des architektonischen Grundthemas lassen die Nachfolgebauten der dritten Abteikirche von Cluny wichtige Rückschlüsse über deren ursprüngliche Gestalt zu, sodass die von Conant vorgeschlagene Rekonstruktion weitestgehend unstrittig erscheint.
Einen Eindruck von der verlorenen malerischen Ausstattung vermitteln die Fresken des von Abt Hugo gegründeten Château des Moines in Berzé-la-Ville.